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Schuppen sind nicht gleich Schuppen – warum die richtige Einordnung im Friseursalon entscheidend ist

  • 5. Feb.
  • 3 Min. Lesezeit

Schuppen gehören zu den häufigsten Kopfhautproblemen weltweit – und trotzdem werden sie im Friseursalon oft pauschal behandelt. Das Problem: Nicht jede Schuppe hat dieselbe Ursache, und genau hier entscheidet sich, ob eine Behandlung wirkt oder die Situation langfristig sogar verschlechtert.


Dieser Beitrag erklärt die wichtigsten Schuppenformen, was wissenschaftlich dahintersteckt und wie Friseurbetriebe ihre Kund:innen professionell begleiten können.


Was sind Schuppen eigentlich?

Schuppen auf der Kopfhaut
Quelle: Adobe Stock

Schuppen entstehen durch eine beschleunigte Erneuerung der obersten Hautschichten der Kopfhaut. Normalerweise erneuert sich die Haut etwa alle 28 Tage. Gerät dieses Gleichgewicht aus der Balance, lösen sich Hautzellen sichtbar – als Schuppen. Entscheidend ist warum dieser Prozess beschleunigt ist.


Die zwei häufigsten Schuppenformen:

1. Trockene Schuppen (Pityriasis sicca)


Typische Merkmale:

  • Feine, weiße Schuppen

  • Fallen leicht von der Kopfhaut

  • Kopfhaut wirkt trocken, spannt

  • Häufig im Winter oder bei stark entfettender Pflege

Trockene Schuppen entstehen meist durch eine gestörte Hautbarriere. Der transepidermale Wasserverlust (TEWL) steigt, die Haut trocknet aus und reagiert mit beschleunigter Zellneubildung.

Studien zeigen, dass aggressive Tenside, häufiges Waschen oder Alkohol in Kopfhautprodukten diesen Effekt verstärken können.


2. Fettige Schuppen / Seborrhoische Dermatitis


Typische Merkmale:

  • Gelbliche, eher größere Schuppen

  • Haften an der Kopfhaut

  • Oft begleitet von Rötung und Juckreiz

  • Fettiger Haaransatz


Hier spielt der Hefepilz Malassezia eine zentrale Rolle. Er gehört zur normalen Hautflora, vermehrt sich aber unter bestimmten Bedingungen (z. B. veränderter pH-Wert, erhöhte Talgproduktion).

Malassezia spaltet Hautlipide in freie Fettsäuren, die entzündungsfördernd wirken und die Hautbarriere schädigen.


Quelle: MDPI Cosmetics – Scalp Microbiome & Dandruff

Quelle: PubMed Central Review zur seborrhoischen Dermatitis und Schuppen


Die Kopfhaut als Ökosystem – ein entscheidender Perspektivwechsel


Moderne Forschung betrachtet die Kopfhaut nicht isoliert, sondern als komplexes Ökosystem, bestehend aus:

  • Hautbarriere

  • Talgdrüsenaktivität

  • Mikrobiom (Bakterien & Hefepilze)

  • pH-Wert

  • Immunreaktionen


Schuppen entstehen meist dann, wenn mehrere dieser Faktoren aus der Balance geraten – nicht nur einer.


Fettige Schuppen & seborrhoische Dermatitis: Wenn Balance wichtiger ist als Reinigung


Bei fettigen Schuppen liegt das Problem nicht in mangelnder Hygiene, sondern in einer fehlregulierten Kopfhautumgebung.


Wichtige Faktoren:

  • Übermäßige Talgproduktion

  • Veränderter pH-Wert

  • Übermäßige Aktivität von Malassezia-Hefepilzen

  • Entzündliche Reaktion der Haut


Ein häufiger Fehler ist der Versuch, den Talg „wegzuwaschen“. Das führt oft zu:

  • Rebound-Talgproduktion

  • Reizung

  • Verstärkung der Schuppenbildung


Ohne genaue Einordnung werden falsche Pflegestrategien kombiniert, die sich gegenseitig aufheben.


Ein häufiger Fehler im Salon: Jede Schuppe wird gleich behandelt


❌ Entfettende Anti-Schuppen-Shampoos bei trockenen Schuppen

❌ Beruhigende Öle bei seborrhoischer Dermatitis


Beides kann die Symptome verschlimmern, statt sie zu lindern.

Schuppen sind ein Symptom – keine Diagnose.


1. Strukturierte Kopfhaut-Anamnese

Seit wann bestehen die Schuppen?

Juckreiz, Rötung, Brennen?

Jahreszeitliche Verschlechterung?

Aktuelle Produkte, Medikamente, Stress?


2. Sichtprüfung & ggf. Mikroskopie

Schuppenform

Hautfarbe

Talgverteilung

Haarfollikelumgebung


3. Zielgerichtete Pflegeempfehlung

Trockene Schuppen: Barriereaufbau, milde Tenside, pH-stabilisierend

Fettige Schuppen: talgregulierend, mikrobiell ausgleichend, reizarm


Schuppen sind kein „kosmetisches Problem“, sondern oft ein Hinweis auf ein gestörtes Kopfhaut-Ökosystem.

Friseurbetriebe, die unterscheiden statt pauschalisieren, schaffen Vertrauen – und echte Ergebnisse.


Warum die mikroskopische Analyse so entscheidend ist


Die mikroskopische Kopfhaut-Analyse (oder zumindest eine strukturierte Sichtprüfung) macht sichtbar:

  • Ob Schuppen lose oder anhaftend sind

  • Wie gleichmäßig die Talgverteilung ist

  • Ob Rötungen diffus oder punktuell auftreten

  • Ob es sich um Schuppen oder Styling-Rückstände handelt


Schuppen & Haarausfall – eine unterschätzte Verbindung


Chronisch gereizte oder entzündete Kopfhaut kann:

  • den Haarzyklus beeinflussen

  • Telogenphasen verlängern

  • Haarwachstum indirekt beeinträchtigen


Wichtig:

Schuppen verursachen nicht direkt Haarausfall,

können aber ein ungünstiges Wachstumsumfeld schaffen.


Warum Geduld Teil der Behandlung ist


Ein häufiger Frustpunkt bei Kund:innen:

„Ich benutze das Shampoo seit einer Woche – es ist noch nicht weg.“


Die Kopfhaut braucht Zeit, um:

  • Entzündungen zu reduzieren

  • die Barriere zu regenerieren

  • ihr mikrobielles Gleichgewicht zu stabilisieren


Realistischer Zeitrahmen:

Erste Verbesserungen: 2–3 Wochen

Stabile Ergebnisse: 6–8 Wochen

Anhaltende Ergebnisse: 8–12 Wochen


Ohne genaue Einordnung werden falsche Pflegestrategien kombiniert, die sich gegenseitig aufheben.


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